Presse

Clevere Vermarktungsstrategien

Dienstag, 10. Dezember 2013

ERNEUERBARE ENERGIEN

Die Novellierung des EEG wird zu einer Veränderung des Marktes führen. Alternativen zur Vermarktung über die Strombörse rücken in den Fokus

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- MÜNCHEN - Im Gelben Viertel in Berlin-Hellersdorf entsteht seit 2012 auf 50 Mietshäuser verteilt die größte Photovoltaik-Anlage Deutschlands auf Wohngebäuden. Das Besondere: Die etwa 3000 Mietsparteien können den Sonnenstrom bald direkt vom Dach beziehen. Bislang war dies lediglich Hausbesitzern vorbehalten. Dazu wird der produzierte Sonnenstrom mit zertifiziertem Ökostrom gemischt und zu einem geringeren Preis als die herkömmlichen Stromtarife angeboten. Zuhause- Strom nennt sich der neue Tarif. Möglich macht dies eine Kooperation des Energieanbieters Lichtblick SE mit der kommunalen Stadt und Land Wohnbauten-Gesellschaft mbH und dem Photovoltaik-Anlagenbetreiber pv-b.

Die Vorteile: die Mieter zahlen weniger, gleichzeitig wird die Allgemeinheit finanziell entlastet: Der lokal erzeugte Strom wird nicht ins Netz eingespeist, womit die umlagefinanzierte Förderung nach dem Erneuerbare-Energien- Gesetz (EEG) entfällt. Das Modell Zuhause- Strom könnte zu einem wichtigen Treiber für den Ausbau der erneuerbaren Energien werden. Heiko von Tschischwitz, Vorsitzender der Geschäftsführung von Lichtblick, schwärmt: „Mehr Verbraucher profitieren, die EEG-Kosten sinken, die Energiewende wird bezahlbar.“

Alternative Stomliefervertrag | Jens Schulz, Vertriebsvorstand der CIC AG in Regensburg, fordert ähnliche Vermarktungsstrukturen: So soll es Betreibern von Photovoltaik(PV)-Anlagen künftig grundsätzlich möglich sein, ihren produzierten Strom direkt an einen festen Abnehmer zu verkaufen. Solarstrom sei schon heute marktfähig und könne dauerhaft mindestens 20% preiswerter als konventioneller Strom angeboten werden. Vorteile gäbe es genug: Der Strom würde dort erzeugt, wo er gebraucht wird und eine Erhöhung der Umlagen durch neue Tarifbelastungen entfiele. Realisieren will Schulz solche Lösungen über langfristige Lieferverträge, sog. Power Purchase Agreements (PPA), wie sie im Ausland längst üblich sind. Schulz sieht jedoch auch, dass der deutsche Markt aktuell dafür nicht ausgelegt ist. Das größte Problem seien heute die Banken, die vor Konzepten wie PPA zurückschreckten. Das EEG sei für die Banken so bequem, dass Modelle jenseits der Einspeisetarife kaum eine Chance hätten. „Die Alternativ-Konzepte liegen bei uns in der Schublade. Wir können sofort loslegen, wenn das Umfeld stimmt“, so Schulz.

Wenn es nach Schulz geht, sollten die EEGTarife denn auch schon bald komplett abgeschafft werden. Mit einem Tarif von 9,33 ct im Januar 2014 könne sowieso kaum jemand mehr eine PV-Anlage bauen. Vielmehr stelle sich die Marktsituation in Deutschland mittlerweile so dar, dass einem die Komponentenpreise wegen der EU-Anti-Dumping-Zölle „um die Ohren fliegen“ (heute 56 ct, ehemals 42 ct), während die Einspeisetarife (ehemals 13 ct) gleichzeitig degressiv fallen. Ein Tarif, mit dem man nur in den wenigsten Fällen Anlagen bauen kann, sei sinnlos, so Schulz.

PPA als Sicherheit | Doch was ist nun das Besondere an den von Schulz ins Gespräch gebrachten PPA? David Jacobs vom IASS in Potsdam sieht in den US-amerikanischen Stromlieferverträgen im Prinzip lediglich das Sicherheitspendant zu den deutschen EEG-Einspeisetarifen für Banken. Während also die Projektfinanzierung in Deutschland über die staatlich garantierten Einspeisetarife auf ein sicheres Fundament gehoben wird, bieten Anlagenbetreiber im Ausland den Banken alternativ PPA-Verträge als Sicherheit.

Ist denn also überhaupt der Abschluss solch langfristiger Stromlieferverträge auf Deutschland übertragbar? Auch Ingrid Spletter-Weiß, Leiterin des Bereichs „Renewable Energies“ bei der Commerzbank, sagt, dass durch das aktuell in Deutschland etablierte Marktdesign derzeit die Voraussetzungen dafür fehlten. Gerade weil es die sichere EEG-Vergütung gibt, gebe es bislang keine Notwendigkeit, dass sich die Branche auf mit einem höheren Risiko verbundene Abnahmeverträge einstellt. Sollte sich allerdings in Deutschland ein ähnliches Marktmodell wie in den USA durchsetzen –wonach es derzeit aber nicht aussehe –, dann seien die Banken durchaus auch darauf vorbereitet, Projekte über PPA-Verträge zu finanzieren. „Allerdings würden wir dann für das höhere Risiko auch andere Konditionen und Strukturen und einen entsprechenden Risikopuffer, sprich mehr Eigenkapital, erwarten.“

Große Nachfrage nach Ökostrom | Björn Klusmann, Abteilungsleiter Public Affairs bei der Juwi-Gruppe, sieht dann die Gefahr, dass „kleinere Anbieter mit einer solchen Unsicherheit kaum noch Projekte ans Netz bringen würden“. Außerdem könnten generell die Vergütungssätze nur aufgrund dieser Verlässlichkeit so niedrig angesetzt werden.

Beim Wörrstädter Projektierer macht man sich bereits ebenso Gedanken über Alternativstrategien. So müssten Klusmann zufolge künftige Direktvermarktungsinstrumente vor allem den volatilen Eigenschaften von Strom aus Erneuerbaren Rechnung tragen. Grundsätzlich gäbe es eine große Nachfrage nach Produkten, die die grüne Eigenschaft qualitativ hochwertigen Ökostroms vom Erzeuger bis zum Kunden dokumentierten. Für solche Angebote könnte künftig durchaus eine Vermarktungsoption auch neben dem Vergütungssystem des EEG existieren. (msz)

Quelle: Ausgabe 11/12 | ZfK Zeitung für kommunale Wirtschaft

Ein Ausrufezeichen für saubere Energie

Mittwoch, 02. Oktober 2013

Solarstrom direkt vom Anbieter? Die CIC Group Regensburg will hier im kommenden Jahr mit einem Pilotprojekt an den Start gehen. Während die Branche insgesamt schwächelt, erwirtschaftete das Unternehmen nach sechs Millionen Euro 2011 ein Jahr später einen Umsatz von 45 Millionen Euro. Während man bei der Gründung 2006 zunächst den Schwerpunkt auf Kapitalanlagen gelegt hatte, ist die CIC Group seit geraumer Zeit Komplettanbieter von Photovoltaikanlagen. Ein Gespräch mit Geschäftsführer Jens Schulz.

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Herr Schulz, Sie verdienen Ihr Geld mit Photovoltaik. Sind Sie jetzt politisch gesehen ein Grüner? Wen haben Sie gewählt?

Es ist dramatisch, dass ich als Unternehmer weder FDP noch CSU wählen konnte, weil ich dort meine Interessen momentan am wenigsten vertreten sehe. Man kann sich also ausmalen, wen ich – zum ersten Mal seit ich wahlberechtigt bin übrigens – von den jetzt im Bundestag vertretenen Parteien gewählt habe. Mit Sicherheit gefallen mir da nicht alle Vorstellungen hundertprozentig, aber gerade bei der heutigen Politik muss man eben die eine oder andere Kröte schlucken.

Sie kommen ursprünglich aus der Finanzbranche. Mittlerweile investieren Sie nicht nur in Photovoltaikanlagen, sondern bauen Sie gleich selber. Sind das ethische Motive oder ist es die Lust am Geldverdienen?

Bevor wir die Zahlen gesehen und gemerkt haben, dass das für uns interessant ist, habe ich mich mit dem Thema Energiewende nicht wirklich beschäftigt. Seitdem wir in diesem Bereich investieren, passiert das ganz automatisch. Dann eignet man sich auch die Einstellung an. Ich hab den Stromanbieter gewechselt, weil es bei der REWAG keinen grünen Strom gab. Jetzt hab ich 100 Prozent Grünstrom. Dafür zahl ich zwar etwas mehr, aber mit der Hoffnung, dass das irgendwann viele Deutsche so sehen und wir das Thema Energiewende in den Griff bekommen.

Viele Deutsche sehen das nicht unbedingt so. Momentan bestimmt eher das Thema Kosten die Diskussion um die Energiewende. Und immer stehen dabei die Subventionen für erneuerbare Energien im Fokus der Kritik.

Woher kommt denn ursprünglich die Idee, den Ausbau erneuerbarer Energien zu fördern? Daher, dass wir irgendwann zu dem Schluss gekommen sind, dass es wichtig wäre, uns komplett mit sauberer Energie zu versorgen. Wir können einerseits nicht das Risiko eingehen, dass uns irgendwann ein Atommeiler um die Ohren fliegt. Andererseits können wir auf Dauer auch nicht diese Gesundheitsbelastung durch Kohlekraftwerke mitmachen. Das war der Ursprungstenor.

Leider haben mit dem Regierungswechsel auf Schwarz-Gelb die falschen Lobbyisten an Einfluss gewonnen – nicht die Erneuerbaren-Lobby, die hat das ganze verschlafen, sondern die Kohle-, Erdgas- und Öllobby. Jetzt werden die Erneuerbaren medial zum Teil in einem verheerenden Licht dargestellt. Was bei der Diskussion gern vergessen wird ist, wie viele Milliarden bereits für Atomenergie, Stein- und Braunkohle geflossen sind. Wie viele Milliarden die Zwischenlagersuche bereits gekostet hat. Wie viele Billionen wird uns der Rückbau von Atommeilern noch kosten? Und über ein Atomendlager will im Moment gleich gar niemand reden. Welche Kosten verursachen eigentlich die Gesundheitsschäden durch Kohlekraftwerke jedes Jahr? Davon liest man überhaupt nichts. Allein gemessen an diesen Summen sind die Kosten der Energiewende durchaus zu verkraften.

Trotzdem wird der Strom erst Mal teurer. Da kann es sich nicht jeder leisten, umzusteigen.

Den Verbrauchern wird doch hier nur die halbe Wahrheit erzählt. Es stimmt: Im Moment sind die kleinen Leute die Dummen. Sie müssen die Energiewende bezahlen und nicht die Schwerindustrie. Die hat mit der Befreiung von der EEG-Umlage einen Weg gefunden, sich von den Kosten befreien zu lassen. Dabei könnten die Erneuerbaren durchaus mit den „normalen“ Stromanbietern konkurrieren und entsprechende Preise bieten, wenn die Rahmenbedingungen stimmen würden.

Dann wären wir wieder bei der Politik. Was müsste in Ihren Augen geändert werden?

Viele Köche verderben den Brei. Wir bräuchten also an erster Stelle eine übergeordnete Energiekontrollbehörde, ein Bundesenergieministerium, das berechenbar festlegt, welchen Weg wir gehen. Das Ganze darf kein Thema parteipolitischer Auseinandersetzungen sein. Schließlich geht es um ein Grundverbrauchsgut.

Dann müsste das ganze Tarifsystem, mit erneuerbare Energien derzeit noch gefördert werden gekappt werden. Die Förderung ist ohnehin viel zu niedrig und Banken sind angesichts dessen sehr zögerlich bei der Finanzierung entsprechender Vorhaben. Nach momentanem Stand der Dinge lohnt es sich auf dieser Basis nicht mehr, noch Photovoltaikanlagen in Deutschland zu bauen. Stattdessen müsste es erleichtert und unterstützt werden, den Strom direkt an die Endverbraucher zu verkaufen. Deshalb entwickeln wir ein Modell, dass es den Endkunden ermöglicht von uns den Strom zu beziehen – zwischen zehn und 20 Prozent günstiger als die herkömmlichen Anbieter.

Wann ist so etwas spruchreif?

Das wird noch ein bisschen dauern. Die Gesetzgebung dazu ist so umfangreich, dass selbst renommierte Kanzleien sich schwer damit tun. Allerdings rechnen wir damit, im Januar oder Februar das erste Pilotprojekt in Regensburg zu starten. Und wenn Banken sich damit schwer tun, weil sie Bonitätsprobleme befürchten, dann bezahlen wir das erst einmal selber. Regensburg ist eine Modellregion mit vielen Unternehmen, einem vergleichsweise hohem Wohlstand und vielen weichen Standortfaktoren. Da wollen wir mal ein Ausrufezeichen setzen und zeigen: Hier kann man auch mit sauberer Energie leben – zu akzeptablen Strompreisen.

 

Quelle: 01.10.2013 / regensburg-digital.de

Solarfirma CIC stemmt sich gegen den Trend

Samstag, 05. Januar 2013

Regensburger Unternehmen macht trotz Krise in der Photovoltaikbranche gute Geschäfte...

Quelle: 8a6lniqo

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